Die Nachsuche auf Schalenwild (Schweißarbeit)

Unter dem Begriff "Nachsuche" versteht man die Suche des Jägers nach angeschossenem (krankem) Wild. Sie ist für den Jäger ethische Pflicht.

Bei der Schweißarbeit auf Schalenwild kommt es wie bei keiner anderen Arbeit mit dem Jagdhund darauf an, dass sich Führer und Hund in einem Höchstmass ergänzen und beide müssen über ein großes Maß an Erfahrung verfügen. Häufig ist bei längeren Nachsuchen auch eine gute körperliche Kondition des Hundeführers notwendig. Jeder ausgebildete Jagdgebrauchshund muss in der Lage sein einfache Nachsuchen auf verendetes Wild (Totsuche) zu bewältigen.

Für schwierigere Nachsuchen sollten möglichst Spezialisten auf diesem Gebiet ( sog. Schweißhundegespanne) eingesetzt werden. Grundlage jeder Schweißarbeit ist die Fährtenarbeit des Hundes am 10 -12 m langen Schweißriemen.

Für die Nachsuche werden brauchbare Hunde benötigt. Eine verlässliche Schweißarbeit ist bei schwierigen Nachsuchen i.d.R. nur von Hunden zu erwarten, die bei dieser Arbeit in ständiger Übung stehen. Die Zugehörigkeit zu gewissen Rassen ist kein sicherer Beweis für die Befähigung schwierige Nachsuchen zu meistern.

Ausschlaggebend ist alleine

Die Verwendung von Hunden für die Nachsuche ist auch in der jagdlichen Gesetzgebung verankert  (§35 LJG M-V)

Jede Nachsuche beginnt am Anschuss. Der Anschuss wird möglichst nicht direkt betreten. Der Hund wird außer Wind in einiger Entfernung abgelegt. Dann wird vom Hundeführer der Anschuss untersucht und ggf. der Schütze über nähere Einzelheiten befragt.

Wichtig für den Hundeführer sind

Die Deutung der verschiedenen Schuss- und Pirschzeichen ist entscheidend für den Beginn und Ablauf der Nachsuche. Im Gegensatz zum Niederwild wird die Nachsuche auf Schalenwild i.d.R. erst nach einer Wartezeit von ca. 2-3 Stunden nach dem Schuss durchgeführt, d.h. das Wild soll erst richtig krank und die Fährte soll kalt werden. Nur bei tödlichen Schüssen - mit Herz- und/oder Lungenschweiß am Anschuss - kann nach einer halben Stunde nach Schussabgabe nachgesucht werden (Totsuche).

Warme Fährten verleiten aber den Hund meist zu einer ungestümen Suche mit hoher Nase. Es empfiehlt sich daher, auch bei diesen Schüssen erst nach einer Wartezeit von ca. 1 Stunde nachzusuchen. Bei Gefahr des Verderbens z. B. bei Hitze oder Gefahr des Anschneidens z.B. durch Füchse kann auch mit der Taschenlampe nachgesucht werden, wenn die Schusszeichen auf einen tödlichen Schuss hindeuten.

Ansonsten wird die Nachsuche bei einem Stück, das spät abends beschossen wurde, immer am nächsten Morgen durchgeführt.

Erschwert wird jede Schweißarbeit durch

Leichter Regen verwäscht zwar den Schweiß, erschwert aber für den erfahrenen Hund die Arbeit nicht! Erleichtert wird die Nachsuche bei Schnee! Wenn krankgeschossenes Schalenwild über die Reviergrenze wechselt, sind die einschlägigen Landesjagdgesetze zu beachten (Wildfolge, Verständigung der Nachbarn). Bei Wild, das erst nach einer Nachsuche gefunden wurde, sind die Bestimmungen des Fleischhygienerechts zu beachten.

Die Schweißfährte wird mit dem Hund grundsätzlich am langen Riemen ausgearbeitet. Auch Hindernisse, die der Hundeführer nicht direkt überwinden kann, dürfen nicht dazu verleiten, den Hund zu schnallen.
So wird z. B. an einem größeren Fliessgewässer, welches das kranke Stück durchronnen hat, zunächst abgebrochen und der Hund abgetragen. Nachdem man über eine Brücke o.ä. das andere Ufer erreicht hat, lässt man den Hund dort suchen bis er die Krankfährte wieder anfällt. Auf diese Weise kann man auch Dornendickichte umschlagen und dann am langen Riemen weiterarbeiten, sofern das kranke Wild nicht dort im Wundbett sitzt. Geschnallt wird nur dann, wenn aufgrund der Geländeverhältnisse z. B. im Hochgebirge, Dornbusch, etc. eine Folge des Führers nicht möglich ist oder wenn das kranke Stück aus dem Wundbett hoch wird. Dabei ist zu bedenken, dass beim Schnallen in von Strassen durchzogenen Revieren oder in Straßennähe der Hund in großer Gefahr ist.
So empfiehlt es sich, bei manchen Nachsuchen zusätzliche Schützen in ausreichend großer Entfernung auf den Wechseln zu postieren. Oft kann dann das kranke Wild wie bei einer Drückjagd erlegt werden, wenn es vom Nachsuchengespann aus der Dickung gedrückt wird. Für diese Schützen gelten dieselben Bestimmungen bezüglich der Sicherheit wie für Gesellschaftsjagden auf Schalenwild. So darf der Stand nicht verlassen werden. Bei der Schussabgabe sind die Sicherheitsbestimmungen zu beachten.
Kommt es im Verlauf der Nachsuche in der Dickung zum Schnallen des Hundes mit anschließender Hetze und dem Stellen des kranken Wildes, dann darf der Fangschuss nur vom Hundeführer abgegeben werden!

Der Schweißhundeführer

ist bei einer Nachsuche immer Jagdleiter!


Zur Verständigung der Teilnehmer an einer Nachsuche dient auch das Jagdhorn. So kann der Schweißhundeführer mit den Totsignalen das erfolgreiche Ende der Nachsuche mitteilen. Es kann der Notruf verwendet werden oder das Signal "Sammeln der Jäger" sowie der "Hegeruf" und die "Antwort".
Immer häufiger werden bei Nachsuchen unter Beteiligung mehrerer Jäger auch Funkgeräte verwendet. Hierzu gilt: Jedes Hilfsmittel, das dazu dient, die Leiden des krankgeschossenen Wildes zu verkürzen, ist waidgerecht!
Besonderheiten bei der Nachsuche auf einzelne Wildarten

Rehwild

Rehwild reagiert im Vergleich zu anderen Schalenwildarten am empfindlichsten auf Schussverletzungen. Durch seine relative Standorttreue (Ausnahme: beschossene Rehböcke in der Brunft) ist die Fluchtstrecke meist kurz im Verhältnis zu anderen Wildarten. Rehwild stellt sich vor dem hetzenden Hund in der Regel nicht, sondern muss vom Hund an der Drossel niedergezogen und abgewürgt werden. Beschossene Stücke, die nicht oder nicht mehr schweißen, sind für den Hund sehr schwer zu finden, da Rehwild aufgrund seines vergleichsweise geringen Gewichtes je nach Bodenzustand oftmals nur eine geringe oder keine Bodenverwundung verursacht.

Rotwild

Beschossene Kälber versuchen möglichst lange, dem Alttier zu folgen. Sie stellen sich bei einer Hetze selten. Hingegen stellen sich Hirsche und Alttiere wesentlich schneller dem scharf hetzenden Hund.

Schwarzwild

ist von allen Wildarten am schusshärtesten. Bei nicht tödlichen Schüssen nimmt es auch den Nachsuchenführer an. Schwarzwild mit Waidwundschüssen sucht gerne die Nähe des Wassers. Es hat im Vergleich zu anderen Wildarten die längsten Fluchtstrecken.

Muffelwild

gilt ebenfalls als besonders schusshart. Besonders Widder zeichnen nicht im Schuss.

Schweißarbeit ist immer Riemenarbeit. Totverbeller und Totverweiser (auch Bringselverweiser) haben nur ihre Berechtigung bei Nachsuchen auf Rehwild, da diese Wildart im Fall einer Hetze vom Hund niedergezogen und abgewürgt werden muss, oder im Hochgebirge, wo oft das Folgen der Krankfährte am Riemen nicht möglich ist.