DER JAGDPROFI
Jagdschule

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Spannen der Schlosse

Gewehrschlosse können mechanisch (automatisch) oder von Hand gespannt werden. Erfolgt das Spannen beim Abkippen der Läufe oder beim Betätigen des Verschlusses, dann spricht man von Selbstspanner - Gewehren.

Kipplaufwaffen: Bei diesen Waffen erfolgt das Spannen beim Abkippen der Läufe mit
Hilfe eines innenliegenden Spannhebels.

Repetier- und Blockverschlusswaffen: Bei diesen Waffen erfolgt das Spannen beim Öffnen
des Verschlusses.Beispiele: Repetierer, Blockverschluss.

Selbstladewaffen: Bei diesen Waffen erfolgt das Spannen durch Rückstoß oder Gasdruck.
Beispiele: Rückstoßlader, Gasdrucklader

Handspannergewehre: Gewehre, deren Schlosse von Hand gespannt werden nennt man
Handspannergewehre.

Abzugsvorrichtungen

Abzugsvorrichtungen haben zur Aufgabe, das gespannte Schloss auszulösen. Das Auslösen kann direkt oder indirekt erfolgen.

Zahl der Abzüge und ihre Lauf- (Schloss-) zuordnung

Mehrläufige Gewehre besitzen in der Regel für jeden Lauf ein eigenes Schloss und einen eigenen Abzug, d.h. zwei Abzüge. Laufzuordnung bei der Querflinte:

vorderer Abzug = rechter Lauf
hinterer Abzug = linker Lauf

Dreht man die Läufe einer Querflinte um 90° im Uhrzeigersinn, dann erhält man eine Bockflinte. Laufzuordnung bei der Bockflinte:

• vorderer Abzug = unterer Lauf
• hinterer Abzug = oberer Lauf

Einabzug-Systeme

Nicht jedes Schloss braucht einen eigenen Abzug, denn ein Abzug kann nacheinander mehrere Schlosse auslösen. Mehrläufige Waffen mit mehreren Schlossen, aber mit nur einem Abzug bezeichnet man als Waffen mit Einabzug-System. Um mehrere Schlosse mit einem Abzug auszulösen muss man allerdings umschalten. Dieses „Umschalten“ auf ein anderes Schloss kann automatisch oder von Hand erfolgen.

Einabzug-Systeme mit automatischer Umschaltung

Die automatische Umschaltung auf ein anderes Schloss erfolgt durch Rückstoß oder mechanisch. Hierbei ist die Schussreihenfolge vom Schützen durch Umschalten beeinflussbar.
Vorteil: kein Umgreifen zum 2. Abzug, daher schnelle Schussfolge. Verwendung: gleichkalibrige Waffen, meist Doppelflinten oder Doppelbüchsen.

Einabzug-Systeme mit manueller Umschaltung

Bei einigen Waffen mit Einabzug-Systemen kann man vor dem 1. Schuss bestimmen, welcher Lauf zuerst abgefeuert werden soll (Vorwahl der Schussreihenfolge). Die Vorwahl (manuelle Umschaltung) erfolgt von Hand. Manuelle Umschaltung finden wir auch bei allen kombinierten Waffen, z.B. beim Drilling. Hierbei stehen die beiden Abzüge in bestimmter Beziehung zu den verschiedenen Schlossen (Läufen).

Abzugswiderstand

Zum Auslösen des Schlosses muss man am Abzug einen bestimmten Widerstand überwinden. Wir sprechen vom Abzugswiderstand. Die Größe des Abzugswiderstandes wird primär beeinflusst durch

die Kraft der Schlagfeder,

die Gestaltung der Rast,

insbesondere durch den Grad der Überlappung und den Winkel von Rast zu Abzugsstange. Der Abzugswiderstand wird in Newton (N) gemessen. (1 Newton = aufgerundet 0,1 kp) Unerwünscht sind dem Einsatzzweck nicht angepasste Abzugswiderstände. Dies führte zur Entwicklung verschiedener Abzugssysteme.

Beim Betätigen des Abzugs drückt das Abzugsblatt die Abzugstange aus der Rast und gibt das Schlagstück frei. Durch die Spannung der Schlagfeder schlägt das Schlagstück auf den Schlagbolzen. Das Auslösen des Schlosses kann direkt oder indirekt erfolgen.

Verwendung finden direkt wirkende Abzüge bei Flinten und kombinierten Waffen, aber auch bei Selbstladewaffen.

Druckpunktabzüge

Erste Versuche, die Abzugseigenschaften zu beeinflussen, waren die Druckpunktabzüge. Druckpunktabzüge lassen sich bis zu einem bestimmten Punkt, dem so genannten Druckpunkt, leicht bewegen. Man sagt auch: Druckpunktabzüge haben einen Vorweg. Durch diesen „Vorweg“ wird ein Teil des Abzugsweges weggenommen.

Nimmt ein Schütze „Druckpunkt mit Gefühl“, dann braucht er für das endgültige Auslösen des Schlosses nur noch einen geringen Abzugsweg zu überwinden. Hierdurch verringert sich die Gefahr des Verreißens. Verwendung: überwiegend Militärgewehre. Bei Jagdgewehren findet man Druckpunktabzüge nur selten.

Flintenabzüge

Flintenabzüge haben keinen Vorweg. Beim Betätigen des Abzugs löst sich der Schuss nach dem Zurücklegen (Überwinden) eines gewissen Abzugsweges. Im Zusammenhang mit Flintenabzügen taucht oft der Begriff auf: „trocken stehender Abzug“. Man versteht darunter einen Abzug, dessen „Weg“ bei der Schussauslösung sehr gering ist. Der Abzugswiderstand bei Flintenabzügen beträgt ca: (Vorderer Abzugswiderstand 18 N / hinterer 22 N).
Verwendung: überwiegend Flinten aller Bauarten, aber auch Büchsen, z.B. Repetierbüchsen.

Kombinationsabzüge

Unter einem Kombinationsabzug versteht man in der Regel einen Abzug, der sowohl als Rückstecher, aber auch als Flintenabzug benutzt werden kann.
Verwendung: kombinierte Waffen, Repetierbüchsen.

Indirekt wirkende Abzüge

Zu den indirekt wirkenden Abzügen zählen die Stecherabzüge. Stecherabzüge haben die Aufgabe, den Abzugswiderstand noch mehr zu reduzieren.
Nach der Konstruktion unterscheiden wir zwischen

• Rückstecher, auch bezeichnet als Französischer Stecher, und
• Doppelzüngelstecher, auch bezeichnet als Deutscher Stecher.

Rückstecher oder Französischer Stecher

Einstechen und Auslösen des Schlosses erfolgen am gleichen Abzug. Zum Einstechen Abzug nach vorne drücken. Hierbei rastet der Rastträger in die Stecherrast des Abzugsblattes ein. Durch Zug am gleichen Abzug drückt die Stecherschraube den unter Federdruck stehenden Rastträger aus der Stecherrast. Das freie Abzugsblatt löst das Schloss aus.

Entstechen: (wenn nicht zum Schuss gekommen) Waffe sichern (bei Drilling auf Schrot umstellen) und öffnen (abkippen). Abzug mit Daumen und Zeigefingerfassen und langsam nach hinten führen, bis Stecherrast hörbar ausrastet.
Verwendung: überwiegend kombinierte Gewehre, aber auch Repetierbüchsen.

Doppelzüngelstecher oder Deutscher Stecher

Bei diesem Stecher wird eingestochen mit dem hinteren Abzug, dem sog. Stecherzüngel. Das Schloss wird durch den vorderen Abzug, das sog. Abzug-Züngel, ausgelöst.

Zum Einstechen den hinteren Abzug zurückziehen. Hierbei rastet sein Rastträger in die Rast des vorderen Abzugsblattes ein. Durch Zug am vorderen Abzug rastet die Rast des Abzugsblattes aus dem Rastträger des Stecherzüngels. Der unter Federdruck stehende Rastträger des Stecherzüngels wird frei und löst das Schloss aus.

Entstechen: (wenn nicht zum Schuss gekommen) Waffe sichern. Hinteren Abzug vorsichtig zurückziehen und vorderen Abzug soweit betätigen, bis Stecherrast hörbar ausrastet. Hinteren Abzug wieder langsam nach vorne kommen lassen und vorderen Abzug loslassen. Verwendung: überwiegend einläufige Büchsen.

Achtung: Beim Deutschen Stecher kann sich der Schuss auch lösen, wenn der hintere Abzugszüngel irrtümlich wie beim Französischen Stecher nach vorne gedrückt wird. Äußerlich unterscheiden lassen sich die Stecherabzüge am unterschiedlichen Sitz der Stecherschraube.

Die Stecherschraube

Die Stecherschraube dient zur Feinregulierung (Einstellen) des Abzugswiderstandes. Beim Rückstecher (Französischen Stecher) sitzt sie am vorderen Abzug. Beim Doppelzüngel- oder Deutschen Stecher sitzt sie zwischen den Abzügen.

Der Abzugswiderstand verändert sich mit der Einschraubtiefe der Stecherschraube, d.h. die Einschraubtiefe bestimmt, wie weit das Stecherblatt einrastet. Hierbei gilt:

tief sitzende Stecherschraube = geringer Abzugswiderstand
weniger tief sitzende Stecherschraube = hoher Abzugswiderstand

Nachteile der Stecherabzüge                                                 
Einstechen bedeutet Zeitverlust und verursacht Geräusche. Stecherabzüge sind aber auch unfallträchtig. Das gilt besonders für einige Konstruktionen des Deutschen Stechers.

Rückstecher und Doppelzüngelstecher werden durch gegenläufige Bewegungen gespannt. Durch Verwechslungen kann das zum unbeabsichtigten Auslösen eines Schusses führen.

Soll bei einer kombinierten, eingestochenen Waffe mit Schrot geschossen werden, dann muss zuvor entstochen werden, andernfalls besteht die Gefahr des Doppelns der Läufe. Mit beiden Stecherabzügen kann auch uneingestochen geschossen werden, teilweise jedoch nur mit hohen Abzugsgewichten.

Feinabzüge

Unter Feinabzügen versteht man Abzüge, die sich fein einstellen lassen. Die stufenlose Verstellung reicht vom „trockenen“ Flintenabzug bis zum „stecherfeinen“ Abzug. Die Feineinstellung kann der Jäger teilweise selber vornehmen, meist ohne Werkzeug und sekundenschnell. Deshalb kann man sagen: Bei Feinabzügen entfällt nicht nur der Stecher sondern die einzelnen Arbeitsgänge Stechen und Entstechen.

Eine eingestochene Waffe ist immer eine gefährliche Waffe, denn Stecherabzüge sind oft unfallträchtig und störanfällig!

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