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Am 25. Oktober 2019 habe ich erfolgreich die Jägerprüfung bestanden. Die Jagdschule „Der Jagdprofi“ hatte uns als Lehrgang so gut vorbereitet, dass alle bestanden haben. Josef und Tina haben die Ausbildung als Passion gelebt. Und im Mai 2020 durfte ich einen starken Rehbock im Lehrrevier erlegen. Doch der Reihe nach und erst einmal zu mir.
Ich bin Johannes, bis 2017 hatte ich keine Kontaktpunkte mit der Jagd, doch das änderte sich in den USA bei einem Freund, der mich im November einlud ihn bei der Weißwedeljagd zu begleiten. Das Jahr darauf hatte ich meine erste Jagdlizenz, in Oklahoma USA. Und erfüllte die Stücke die zur Lizenz gehörten (anders als in D gilt die Lizenz für eine Anzahl einer Art). Daraufhin habe ich den Jagdschein in Deutschland angestrebt.

Wie schon beschrieben war die Ausbildung erfolgreich, wenn auch mitunter sehr intensiv vom Lernen der enormen Stoffmenge in kurzer Zeit. Die Bockbüchsflinte mit der in der Schießausbildung die Disziplinen mit der .222Rem geschossen wurden. Hat mir gut gefallen und Jupp tat sein Übriges das man aus der .222Rem und 12/76 einen Bergstutzen machen kann. Mit .222Rem und 8x57IRS als Einstecklauf. Ein sehr zuverlässiges Gewehr was im Ausbildungseinsatz keine Probleme macht und lediglich kleine Druckstellen am Holzschaft aufweist, was der Vielzahl der Schüler und deren Umgang geschuldet ist, aber technisch definitiv kein Mangel ist. Und mit etwas heimischer Pflege so gut wie behoben werden kann.

Mit Jupp hatte ich dann ausgemacht, dass ich zum Mai Lehrgang 2020 ihn dahingehend unterstützen kann und meinen ersten Rehbock im Lehrrevier jagen darf. So dass die Wildbretverwertung, wie bereits bei mir im Kurs geschehen, auch praktisch gezeigt wird. Der Kurs kam auf Grund der geltenden Bestimmungen von Infektionsschutzgesetzen nicht zustande, aber dennoch hatte ich für den 9. Mai 2020 mit Jupp die Einzelansitzjagd auf einen Rehbock abgemacht. Am Samstagmorgen ging es los. Das Lehrrevier war mir noch in Erinnerung und Jupp zeigte mir eine Auswahl an Ansitzen an denen er am Abend zuvor reichlich Anblick von Rehwild hatte. Da es 10 Uhr morgens war, nahm ich die Chance wahr, um auf Faulpirsch zu gehen und bezog eine Ansitzkanzel die mir am besten vom Wind her gefiel. Dann ging das Warten los. Aufgebaumt und mit elektronischen Gehörschutz, welcher die Umgebungsgeräusche verstärkt den Schuss aber ausblendet, vergingen die Stunden voller Vogelgesang den ich auf der Heimfahrt noch im Ohr klingen hatte. Ohne irgendetwas Spannendes zu sehen. Kurz vor der Mittagszeit kam ein Spaziergänger mit Hund über den weiter rechts von mir verlaufenden Waldweg. Nachmittags konnte ich noch für ein paar wenige Sekunden einen Bock auf 527m Entfernung sehen, der dann nach Norden wegzog. Die Jagdbare Entfernung für mich endet bei etwa 100-120 m, somit nur ein kurzer Hoffnungsschimmer das es doch Rehwild gibt. Die genauen Entfernungsangaben verdanke ich meiner Investition in ein Fernglas mit integrierten Entfernungsmesser. Und hier zeigte sich auch das was ich praktiziere, das Smartphone ist nicht gut mit der Jagd verbindbar. Den man hat dafür keine Zeit beim Ansitz, 10sec hätten genügt und ich hätte das Stückrehwild auf die Entfernung nicht gesehen.

Wie ich von Josef wusste, waren am Abend zuvor kurz nach 20 Uhr viele Stücken Rehwild auf der Wiese unterwegs. Böcke und Ricken oder auch Schmalrehe konnte er am 8. Mai beobachten von einem weiter entfernten Ansitz. Als dann die Spannende Zeit, also 20 Uhr, verstrichen war, wurde es tatsächlich interessant und laut. Es kamen 3 Jugendliche mit Fahrrad den Waldweg entlang gefahren und bogen auch noch auf die Wiese ein. Um sich lautstark zu zurufen das sie dort „Baumhäuser“ sehen. Und zeigten auf die Hochsitze. Durch die Beunruhigung war meine Hoffnung zumindest etwas auf der Wiese zu sehen um das Ansprechen in der Natur zu erfahren, dahin. Somit hatte ich den ganzen Tag vergeblich gewartet und hätte wohl als Ornithologe meine Freude an den Waldvögel gehabt.

Das Bild entstand ohne Wild zu sehen mit Blick geradeaus aus der Kanzel raus.

Gegen 21 Uhr war ich nun schon viele Stunden auf dem Ansitz und war dabei einzupacken. Bis 21:40 wäre es offiziell noch möglich an diesem Tag auf Rehwild zu jagen. Ich zog meinen Rucksack auf, hing mir mein Fernglas um und stand schon in der Tür um noch einmal über die Wiese zu schauen. Mein Bergstutzen stand noch geladen und gesichert in der Kanzel. Plötzliche stand an der Waldkante links von mir, an der der Ansitz steht ein starker Bock auf 102 m Entfernung. Ich war schon komplett bereit zum abbaumen, lediglich das Entladen hätte noch gefehlt. Nun musste ich vorsichtig und ohne sichtbare Bewegungen irgendwie wieder in die Kanzel zurück. Mich in Schussposition bringen, dabei die Waffe in den Anschlag kriegen. Keine hektischen Bewegungen machen und vor allem nirgends gegenstoßen oder Lärm verursachen. Die vordere Optikabdeckung klappte ich vorsichtig auf, als ich im Anschlag saß und mit dem Fernglas erneut den Bock angesprochen hatte und erneut die Entfernung überprüfte, immer noch 102 m. Mit der größeren Vergrößerung des Zielfernrohres konnte ich erkennen, dass er ein schönes symmetrisches 6er Geweih mit großen Rosen trug. Jupp hatte mir keine sonstigen Einschränkungen gegeben und ich durfte alles was Jagdzeitlich erlaubt war an Rehwild schießen.

Da der Bock langsam von der Waldkante weg von Süd nach Nord zog und hier und da etwas äste, hatte ich etwas Zeit ruhig und vor allem leise zu Entsichern. Dennoch musste es zügig gehen, da der Bock nur noch 15-20 m bis zum Graben hatte der quer über die Wiese verläuft. Und vermutlich wäre er dann weiter weg gezogen. Schräg gegen den Wind ist nach meinen bisherigen Erfahrungen die bevorzugte Zugrichtung von Rehwild. Soweit kam es aber nicht, denn mit der vorher schon gewählten .222Rem die auf E100 1093 Joule liefert und in Bleifrei geladen ist, brach der Schuss als der Bock breit stand um 21:07. Ich hatte absichtlich genau hinter die Blätter gezielt um das Wildbret der Blätter Hämatom frei zu haben. Es war wie geplant ein tödlicher Schuss. Es fühlte sich an wie 2 Sekunden, war aber vermutlich kürzer. Der Bock zeichnete kaum lies sofort das Haupt hängen und kippte zu Seite um. Dann schlegelte er mit einen Lauf für ein paar wenige Sekunden. Dann bewegte er sich nicht mehr. Ich lud die .222 nach und wartete einige Zeit lang ab, damit das Stück in Ruhe sterben kann und um die Kanzel nicht zu verbrennen durch vielleicht doch noch vorhandenes Wild in der Wald-Wiesen-Grenze.

Jupp war ebenfalls im Revier am anderen Ende und hatte den Schuss gehört. Per SMS informierte ich ihn und er kam rum um mir den Erlegerbruch zu überbringen. Waidmannsdank. Auf dem Weg zum erlegten Stück hatte ich den letzten Bissen von einer Eiche bereits eingesammelt.

Dann ging es an die Rote-Arbeit, es wurde schon dunkel aber die Autoscheinwerfer und eine Kopflampe machten alles gut sichtbar. Nach dem Aufbrechen konnte ich den Schussverlauf sehen. Die Blätter waren tatsächlich heil geblieben, die Lunge war zerstört und die Leber hatte zwei große Verletzungen. Daher wurde das Stück direkt bewusstlos, durch den hohen Blutverlust, und starb daraufhin sehr schnell. Dann wusch ich alles so gut es ging sauber und verlud den Bock ins Auto. Mit 20 kg ist der Bock ein sehr ansehnliches Stück und Jupp fragte mich wie ich mich den nun als Jungjäger noch steigern will, wenn es mit so starken Stücken losgeht. Da bin ich selbst gespannt wie sich meine Jagdlaufbahn noch weiter entwickelt. Bei dem Jagdpächter der mich in sein Revier begleitet hängt nun der Bock in der Kühlung. Dort hatte ich auch mein erstes Stück in Deutschland erlegt, einen weiblichen Frischling mit 17 kg und kurz darauf schon einen 3-jährigen 110 kg Keiler. Wobei es deutlich einfacher ist kleine Stücke zu versorgen, bei großen Stücken wird dies regelrecht zu einer anstrengenden Arbeit. Ich hoffe sehr dass die Schuss-Wildstückanzahl wie bisher bei 1:1 bleibt. Und nach wie vor keine Nachsuche nötig wird. So wie auch bisher ein sicheres und richtiges Ansprechen gelingt.

Meine Familie freut sich ebenfalls über die Erlebnisse und wir wissen, dass das Wildbret immer gut verwertet wird. Und nicht zuletzt da ich zuhause auch leidenschaftlich gerne grille.
Johannes Proksch

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