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Lernunterlagen für die Falknerprüfung

Greifvogelkunde und Grundkenntnisse der allgemeinen Vogelkunde

insbesondere Kenntnisse über Biologie, Gefährdung und Schutz einheimischer

und nicht einheimischer Greifvögel

Greifvögel

Die Greifvögel sind eine artenreiche und sehr vielgestaltige Vogelgruppe, die weltweit mit etwa 290 Arten vertreten ist, von denen ca. 20 Arten in Deutschland vorkommen. Sie sind tagaktive Fleischfresser die entweder lebende Beute schlagen, oder Aas fressen. Anpassungen an diese Ernährungsweisen sind die zu Fängen entwickelten Füße mit scharfen Krallen (Waffen, Klauen) an den Zehen sowie der Hakenschnabel zum Rupfen und Zerteilen größerer Beute bzw. zum Tot beißen.

Biologische Systematik

In der Biologie werden unterschiedliche Organismen aufgrund gemeinsamer Merkmale wie Körperbau oder genetische Verwandtschaft usw. in Gruppen zusammengefasst. Diese so genannte „Biologische Systematik“ ist ein hierarchisches System. Die unterste Stufe innerhalb dieses Systems ist die Art:
Als Art definieren wir die Gruppe aller Individuen, die auf natürliche Weise untereinander fortpflanzungsfähig sind, und sich somit von anderen Arten isolieren (Beispiel: Aaskrähe).

Einen Spezialfall stellt die Unterart dar:
Sie wird definiert als Gruppen von Individuen, die auf natürliche Weise untereinander fortpflanzungsfähig wären, aber nicht im selben Raum vorkommen, da sie durch geographische Barrieren wie z.B. Gebirge oder große Gewässer getrennt sind. Sie werden auch „geographische Rassen“ genannt (Beispiel: Vogelart Aaskrähe mit den zwei Unterarten Rabenkrähe und Nebelkrähe).

Archaeopteryx                                                                                                                       
Als Archaeopteryx wird eine Tierart bezeichnet, die vor etwa 140 Millionen Jahre lebte. Fossile Überreste der etwa krähen großen Art wurden erstmals 1860 in der Fränkischen Alb gefunden. Der Archaeopteryx wird als Entwicklungsform vom Reptil hin zum Vogel angesehen, da sein Skelett sowohl Reptilienmerkmale  (u.a. bezahnter Kiefer, Fingerkrallen, lange Schwanzwirbelsäule) als auch Vogelmerkmale (u.a. Federn, Flügel, verwachsenes Schlüsselbein) besitzt.

Merkmale der Vögel                                                                                                       

– Zu Federn umgebildete Hornschuppen
– Eier mit kalkhaltiger Schale (nicht lebend gebärend)
– Jungtiere werden nicht gesäugt
– Augen als Hauptsinnesorgan
– warmblütige Wirbeltiere mit einer Körpertemperatur von ca. 41 °C
– Brustbeinvergrößerung (Brustbeinkamm, Muskulaturansatz)
– starre Lendenregion (feststehende Rückenwirbelsäule)
– Halswirbelanzahl unterschiedlich (10-26)
– Lufthaltige Röhrenknochen (nur 9% Anteil am Gesamtgewicht)
– 3 Fingerknochen, 4 Zehenknochen
– Laufen immer zweibeinig
– Keine Zähne (Nahrungsaufnahme mit zahnlosem Hornschnabel)
– Kein Zwerchfell
– Lungen wenig dehnbar, mit Luftsäcken zum besseren Ausnutzen der Luft
– Charakteristischer Verdauungstrakt
– Keine Harnblase
– Kloake übernimmt Funktion der Ausgänge von: Darm, Harnröhre, Geschlechtsorgane
– Bürzeldrüse (Zur Gefiederpflege wird das Bürzelöl mit dem Schnabel über das Federkleid verteilt)
– Keine Schweiß- und Talgdrüsen

 

Das Federkleid

Das Gefieder hat verschiedene Funktionen: Hierzu gehören Wärmen, Fliegen, optische Kommunikation, Lautäußerungen, aber auch das Tarnen. Der Abschnitt des Federkieles (1) der in der Haut des Vogels sitzt wird als Spule (2) bezeichnet. Der außenliegende Teil ist der Schaft (3). Der Schaft ist befiedert (Fahne) (4). Der Federkiel ist hohl (Seele) (5). Die Fahne besteht aus am Federkiel ansitzenden Seitenästen (6), an denen Haken- (7) und Bogenstrahlen (8) so ineinander verhakt sind, dass sie der Feder eine relativ feste Oberfläche verleihen. Dunen tragen am Schaft nur lose Äste mit Strahlen, die keine Häkchen besitzen.

Das Großgefieder setzt sich aus Schwungfedern und Steuerfedern zusammen. Das Kleingefieder ist über den gesamten Körper des Vogels verteilt: Deckfedern übernehmen die Funktion eines Wasser- und Kälteschutzes. Dunen bieten nur Kälteschutz.
Bei den meisten Vögeln gibt es Regionen mit dichten Federfeldern (Federfluren) und solche, die fast frei von Federn sind (Federraine). Das Gefieder wird mit dem Bürzelwachs geschmeidig gemacht. Dieses Wachs wird mit dem Schnabel aus der Bürzeldrüse herausgedrückt und über das Gefiederkleid verteilt.

 

Die Mauser

Als Mauser bezeichnet man den Wechsel des Gefiederkleides (Abwerfen und Erneuern von Federn). Hierbei hat der Vogel die Möglichkeit, Struktur, Dichte und Färbung (Jugendentwicklung, Saisondimorphismus) des Gefiederkleides zu verändern. Außerdem nutzt sich das Gefiederkleid im Laufe eines Jahres ab. Deswegen erneuert der Vogel seine Federn zu bestimmten Zeiten. Das Federkleid wird in der Regel einmal im Jahr erneuert. Vogelgruppen wie zum Beispiel die Enten wechseln das Gefiederkleid mehrmals pro Jahr.

Die Mauser stellt hohe Anforderungen an den Organismus (Temperaturerhöhung, hoher Grundstoffwechsel). Aus der Federhülse wird die alte Feder durch die neu entstehende Feder herausgedrückt. Als erstes tritt der Blutkiel hervor. Ist ein Viertel der endgültigen Federlänge erreicht, entfaltet sich durch den putzenden Schnabel die Spitze der bis jetzt eingerollten Federfahne. Bei einigen Arten ist mit der Mauser eine Veränderung des Aussehens verbunden (Pracht- oder Brutkleid; einfacheres Schlicht oder Ruhekleid). Bei der Vollmauser werden Großgefieder- und Kleingefieder gleichzeitig gewechselt. Bei der Teilmauser geschieht dies nacheinander. Die Mauser kann sich über das ganze Jahr erstrecken oder aber auch innerhalb eines sehr kurzen Zeitraumes gemacht werden (Sturzmauser). Vögel in der Voll- oder Sturzmauser können zeitweise flugunfähig bzw. beuteflugunfähig sein (z.B. Entenerpel, Habichtweib).

 

Die Mauser der Greifvögel                                                                                        

Durch hormonelle Veränderungen ausgelöst und dem Jahreszeitenwechsel unterliegend, findet der Gefiederwechsel statt. Er wiederholt sich alljährlich und beginnt bei Brutvögeln in der Regel zum Zeitpunkt der Eiablage. Ausnahme bilden dabei Großgreifvögel wie Adler und Geier. Sie wechseln jedes Jahr nur einen Teil ihres Gefieders. Ein kompletter Gefiederwechsel erstreckt sich bei ihnen über einen Zeitraum von etwa drei bis fünf Jahren, bei großen Geiern über sieben und bei den Kondoren über acht Jahre.

Eine Sonderstellung beim Beginn und Verlauf des Gefiederwechsels bilden ausgesprochene Zugvögel, wie z.B. der Wespenbussard, der Baumfalke und der Eleonorenfalke, welche einen Großteil ihres Gefieders im Winterquartier mausern.

Mauserverlauf bei einem Habicht

Das 1. Dunenkleid des Habichtnestlings ist kurz, ziemlich dünn, mit seidigen Spitzen und rein weiß. Das 2. Dunenkleid beginnt etwa nach einer Woche zu wachsen und ist im Alter von 16 Tagen bereits voll entwickelt. Es ist dicht und wollig, oberseits grau und unterseits weißlich.
Das Wachstum des Großgefieders beginnt ab dem 18. Lebenstag und wird mit etwa 40 Tagen abgeschlossen. Die 1. Vollmauser, bei der das Jugendgefieder zum größten Teil gewechselt wird, beginnt in der Regel später als die Jahresmauser von Zwei- und mehrjährigen Vögeln. In den Monaten Dezember/Januar wird sie durch den Abwurf der Pelzdunen eingeleitet. Die Mauser des Großgefieders, die sich über einen Zeitraum von fast 6 Monaten erstreckt, beginnt bei unverpaarten Habichten in der Regel im April.

Bei Brutvögeln ist der Zeitpunkt und Verlauf des Gefiederwechsels eng mit dem Stand des Brutgeschäftes gekoppelt. Er beginnt beim Weibchen Ende März bis Ende April nach Ablage des 2. Eies mit dem Abwurf der 1. Schwungpenn SWP 1 (1. Handschwinge). Terzel beginnen etwa 1-2 Wochen später zu mausern. Die Mauser der Schwungpennen (SWP) die jährlich komplett erneuert werden, verläuft in der Reihenfolge SWP 1 – SWP 10, wobei etwa zum gleichen Zeitpunkt immer nur eine Schwungpenn (Handschwinge) an jeder Schwinge ausfällt.

Der Mauserbeginn am Staart erfolgt nach dem Werfen der 5. SWP. Er beginnt bei den Deckpennen (STP 1) und verläuft dann nach außen. Es fallen immer nur zwei Staartpennen (STP) (Steuerfedern) fast gleichzeitig aus. Wannen (Armschwingen) werden etwa gleichzeitig mit den Schwungpennen (Handschwingen) erneuert, wobei ebenfalls immer nur eine Wanne auf jeder Seite ausfällt. Erst wenn die neu geschobenen Pennen und Wannen mehr als halblang sind, fällt das nächste Paar aus.

Die Mauser des Kleingefieders setzt ungefähr zehn Wochen nach der Eiablage, etwa zur Ästlingszeit der Jungen ein. Die Mauserintervalle sind beim Weibchen zunächst kurz (2-6 Tage) und werden dann gegen Ende des Gefiederwechsels länger. Dadurch entsteht Anfangs oft eine beträchtliche Lücke im Bereich der inneren Schwungpennen, die den Jagdflug des Weibchens behindern kann.
Die Mauser des Terzels verläuft besonders während der Brut- und Aufzuchtszeit etwas langsamer als beim Weibchen, da er die Habichtsfamilie mit Beute versorgt und ihm deshalb die volle Flugtüchtigkeit erhalten bleiben muss.

Die letzte Schwungpenn SWP 10 wird bei unseren heimischen Habichten etwa Ende August bis Anfang Oktober geworfen.

 

Mauserverlauf bei einem Wanderfalken

Das 1. Dunenkleid des Wanderfalkennestlings ist schneeweiß und haarartig.
Das 2. Dunenkleid sieht oberseits grau bis weiß und unterseits weißlich aus, ist watteartig, flockig und nach etwa 2 Wochen vollständig. Mit 4 Wochen tragen die jungen Wanderfalken das fast fertige Jugendkleid.
Die 1. Vollmauser beginnt im März des auf die Geburt folgenden Jahres. Die Dauer des alljährlichen Gefiederwechsels kann zwischen 128 und 178 Tage variieren und beträgt im Mittel 146 Tage.
Die Mauser der Falken beginnt an den Schwingen und geht dabei von einem Zentrum (SWP 4) aus, von dem sie dann nach Innen und Außen fortschreitet. Ihre Reihenfolge unterscheidet sich von der Mauser der Habichte die einen deszendenten Mauserverlauf aufweisen, auch durch keine so starken, zeitlichen Unterschiede bei den Geschlechtern. Der Wanderfalke kann als Jäger im freien Luftraum auch in der Mauserzeit ungefährdeter jagen, da hier die Blutkiele der nachwachsenden Federn nicht so leicht verletzt werden können, wie die des Buschjägers Habicht.
Der Verlauf der Mauser von Weibchen und Terzel überlappt sich weitgehend und dauert auch etwa gleich lang. Beim Weibchen beginnt der Zyklus mit der Eiablage im März/April. Pennen fallen stets paarweise und etwa zum gleichen Zeitpunkt aus.
Die Mauser des Wanderfalken verläuft meistens nach folgender Reihenfolge;
Schwungpennen: 4 – 5 – 3 – 6 – 7 – 2 – 8 – 1 – 9 – 10 (Säule):
Staartpennen: 1 – 2 – 3 – 6 – 4 – 5.
Der Wechsel der Staartpennen verläuft zentrifugal und beginnt mit der Staartdecke (STP 1), 10-47 Tage (im Durchschnitt 26 Tage) nach dem Ausfall der 4. Schwungpenn (SWP 4). Die Staartpennen fallen aber nicht hintereinander nach den Schwungpennen aus, sondern stets im Wechsel mit diesen. Das Kleingefieder wird im Laufe der Mauserperiode allmählich erneuert. Alte Federchen bleiben oft noch am Kopf, am Rücken und an den Hosen stehen.

Die Pennen von Altfalken sind etwas kürzer, mit Ausnahme der längsten Schwungpennen, dadurch erscheinen Jungfalken größer. Jungfalken brauchen wohl diese großen Tragflächen und langen Steuerfedern (Staartpennen), um im Anfang relative Ungeschicklichkeiten im Flug auszugleichen.

 

Mauserverlauf bei einem Steinadler

Das 1. Dunenkleid ist weiß, vor allem oberseits mit stahlgrauem Anflug. Die einzelnen Dunen sind mit fahlrauchgrauen Spitzen versehen, die Augengegend erscheint dunkel. Das 2. Dunenkleid beginnt mit 6 Lebenstagen zu sprießen, es ist weiß oder weißlich bis rahmfarben, außerdem länger und dichter als das 1. Dunenkleid.
Im Alter von 11 Tagen brechen die Kiele der Schwungpennen durch. Der Jungadler scheint mit 8 Wochen voll befiedert, die Entwicklung des Jugendgefieders ist aber erst mit ca. 15 Wochen fast abgeschlossen. Die Nestdunen werden ab der 8. Woche bis zum Oktober durch die Pelzdunen ersetzt.
Der Wechsel des Kleingefieders, der sich bis September hinzieht, beginnt vor dem Ausfallen der Schwungpennen am Kopf und breitet sich dann langsam über Hals, Rücken und Unterseite aus. Die erste Mauser des Großgefieders beginnt beim Steinadler ab Mitte Februar, meist mit dem Ausfall der 3. oder 4. Schwungpenn. Anschließend fallen meist die Schwungpennen 5, 6, 7 und 8 aus. Bruckfedern (Unterschwanzdecken) können bereits im Mai ausfallen. Wannen (Armschwingen) werden unregelmäßig und langsamer als Schwungpennen vermausert. Der Wechsel des Staart beginnt meistens nach dem Abwerfen der 7. Schwungpenn mit den Deckpennen, ist aber sonst sehr unregelmäßig (Vogt).

Das Wachstum einer Staartpenne dauert 75 Tage. Normalerweise fallen 7-8 Staartpennen, mitunter aber auch nur die Deckpennen oder das äußerste Paar aus. Der Gefiederwechsel wird dann im nächsten Jahr vervollständigt. In der Regel werden dann alle bei der 1. Mauser nicht geworfenen Schwung- und Stoßpennen, sowie ein Teil der im Vorjahr stehen gebliebenen Wannen gewechselt.

Anfang September des 3. bis 5. Lebensjahres dürften, von Ausnahmen abgesehen, sämtliche Federn mindestens einmal, die meisten Kopf-, Hals-, Rücken- und Schulterfedern, die innersten Schwungpennen bis zur 5. Schwungpenn und einige Staartpennen sogar zweimal erneuert worden sein.
Von Jahr zu Jahr nehmen die Unregelmäßigkeiten im Gefiederwechsel zu. Bei Altvögeln ist dann kein festes Schema mehr festzustellen. Ein Steinadler kann folglich Federn von drei Alterskleidern tragen: Es stehen dann bis auf den Schaft abgenutzte, schwächer abgenutzte und neue Federn nebeneinander, die bei diesen Vögeln eine eigentümliche Harmonie ergeben (Kleinschmidt). Die Bänderung der Schwung- und Staartpennen verschwindet im Alter und macht einer Marmorierung Platz. Bei den Staartpennen ist dann z.B. die Innenfahne noch gebändert, während die Außenfahne schon marmoriert ist.
Die Mauser beginnt bei unverpaarten Steinadlern meist etwas früher als bei Verpaarten. Die meisten Großgreifvögel weisen einen ganz ähnlichen Mauserzyklus wie der Steinadler auf.
Das Jugendgefieder der Greifvögel ist weicher als das Altersgefieder und in der Färbung bei vielen Arten auffälliger. Bei einigen Arten erfüllt es sogar eine Art Schutzfunktion vor arteigenen Altvögeln (z.B. beim Habicht „ aggressives Distanzkleid„).
Aber auch bei Wanderfalken und Lanner ist das Jugendkleid eindeutig vom Alterskleid zu unterscheiden. Bei einigen Arten, z.B. beim Sperber und Saker, ist dies weniger deutlich möglich.

 

Vogelflug

Die Brustmuskulatur besteht beiderseits des Brustbeinkamms je aus einem großen und einem kleinen Brustmuskel. Der große Brustmuskel, der für das Abschlagen der Schwingen erforderlich ist, überdeckt den kleinen Brustmuskel der für den Aufschlag zuständig ist. Der kleine Brustmuskel ist über eine Sehne mit dem Oberarm verbunden, die über drei Knochen hindurch zum Oberarm verläuft und diesen von oben erreicht. Man unterscheidet Segelflug, Gleitflug, Schlagflug.

Nahrungsaufnahme und Verdauung

In der Vogelwelt ist meist schon anhand der Schnabelform erkennbar, zu welchem Ernährungstyp ein Vogel zuzuordnen ist. Greifvögel besitzen einen typischen Fleischfresserschnabel („Krummschnäbel“).

Die Nahrung gelangt beim Vogel vom Schnabel über den Schlund in den Kropf. Hier wird sie gespeichert und eingeweicht. Im Drüsenmagen werden anschließend Verdauungssäfte hinzu gegeben. Nach dem Passieren des Drüsenmagens gelangt die Nahrung in den Muskelmagen, wo durch starke Innenhäute und Muskeln die Partikel zermahlen werden. Verschiedene Vogelgruppen, wie unsere Hühnervögel nehmen hierzu noch kleine Kieselsteine zu Hilfe, die mit der Nahrung aufgenommen werden (Magensteine). Die endgültige Verdauung des Speisebreies und die Nährstoffaufnahme geschieht dann im Gescheide d.h. dem übrigen Darm. Auch Falken nehmen regelmäßig Steine auf.
Vögel besitzen keine Harnblase. Von den Nieren wird der Harn über die Harnleiter direkt in die Kloake geführt. Auf diesem Weg wird er weiter eingedickt (Wasserentzug) und schließlich in gebundener Form mit der Losung abgegeben (weißer Überzug).
Eine besondere Art der Losung ist die breiige, blauschwarze Blinddarmlosung, die vom paarigen Blinddarm meist bei Hühner- und Entenvögeln abgesondert wird.

Weitere Ausscheidungen sind bei bestimmten Vogelgruppen die Gewölle. Es sind artspezifische Speiballen, die aus unverdaulichen Nahrungsbestandteilen bestehen und vom Muskelmagen aus hoch- und über den Schnabel ausgewürgt werden. Diese können Haare, Knochen, Insektenpanzer aber auch Reptilienhäute enthalten. Von den Bestandteilen kann auf die Nahrungszusammensetzung geschlossen werden. Die Gewölle von Eulen und Greifvögeln unterscheiden sich:
Greifvögelgewölle sind fein strukturiert und beinhalten meist keine Knochenreste.
Eulengewölle enthalten Knochen der Beutetiere.

Gewölle gibt es zum Beispiel auch bei Möwen, Krähen, Störchen, Graureiher und Eisvogel.

 

Fortpflanzung

Die Balzzeit fällt meist in die Jahreszeiten Frühjahr und Sommer. Teilweise kann man während dieser Zeit sehr auffällige Verhaltensweisen der Geschlechtspartner beobachten.
Es wird zwischen Einzelbalz (Greifvögel, Haselwild) und Gruppenbalz (Auerwild, Birkwild) unterschieden.

· Keinehe oder Unehe: (Partner treffen nur zur Kopulation aufeinander z.B. (Auerwild, Birkwild))
· Einehe (Monogamie): häufigste Form (Greifvögel, Tauben)
· Vielehe (Polygamie): (Fasan)
· Jahresehe: jährlich neue Paarbindung (Tauben)
· Dauerehe: Lebenszeit (Adler, Kolkrabe, Gänse)
· Brutehe: bis Eiablage oder Selbstständigwerden der Jungvögel (Enten)
· Saisonehe: nur ein bestimmter Zeitraum

Finden sich die Partner schon vor der eigentlichen Paarungszeit zusammen (Haselwild zum Beispiel schon im Herbst) dann wird dies „Verlobungszeit“ genannt.
Vögel haben keine äußerlich sichtbaren Geschlechtsorgane. Ei- und Samenleiter liegen in der Kloake. Bei den meisten Vogelarten besitzen die Männchen meist keinen Penis. Die Samenübertragung erfolgt durch kurzes Aneinanderpressen der Kloaken. Dies findet während der Balzzeit des öfteren statt.

Gelege unterscheiden sich in Größe (Eianzahl und Eigröße), Form und Farbe. Auch das Baumaterial und die Konstruktionsweise (Nestart) sind artspezifisch festgelegt. Die Gelegegröße und Anzahl der Bruten richten sich oft nach dem Nahrungsangebot wie zum Beispiel bei Mäusebussard und Schleiereule. Nestbauhandlungen sind instinktiv d.h. sie müssen nicht erlernt werden.

Ein Vogelei  ist wie folgt aufgebaut
1 feste, luft- und feuchtigkeitsdurchlässige Kalkschale, 2 Schalenhaut umschließt 3 Eiklar, 4 Luftkammer (stumpfes Ende), 5 Hagelschnüre (Eiweißspirale),
6 Dotter, 7 Keimscheibe / Eikeim, 8 Eihaut trennt
Keimscheibe samt Dotter vom Eiweiß.

Mit Hilfe des Eizahns, der dem Küken kurz vor dem Schlüpfen („Ausfallen“) auf der Schnabelspitze wächst, durchstößt das Junge von innen die Eischale. Den Eizahn verliert das Junge kurze Zeit nach dem Schlüpfen wieder.

Die Brutpflege wird entweder von beiden Partnern oder nur von einem
Partner betrieben. Der Kuckuck, der als Brutschmarotzer gilt, überlässt die Jungenaufzucht anderen Vögeln.

Die Jungen werden von Zeit zu Zeit vom Altvogel gewärmt („gehudert“). Beim Verleiten stellt sich der Altvogel bei einer drohenden Gefahr durch Beutegreifer flügellahm um vom Nest oder den Jungen abzulenken (z.B. beim Kiebitz).
Horstgestalter bauen selber einen Horst oder „begrünen“ einen Horst (Hygienegründe) (z.B. Mäusebussard), während die Horstbenutzer kein Nestbauverhalten zeigen und alte verlassene Nester oder Horste bzw. andere Nistgelegenheiten nutzen (z.B. Falken).
Direkt um den Horst machen Greife innerhalb eines bestimmten Radius oftmals keine Beute (Horstkreis), sondern erst ab einer bestimmten Entfernung vom Horst (Beutekreis).
Nach der Nestlingszeit schließen sich die Ästlingszeit und die Bettelflugperiode an.

 

Verhalten der Jungen nach dem Schlüpfen

Unselbständig. Hilflos. Werden von Altvogel gefüttert bis sie flügge sind. Erst nach Wochen flugfähig (z.B. Greifvögel, Schreitvögel, Tauben).

Voll entwickelt. Wärmendes Dunenkleid. Relativ selbstständig. Folgen sofort den Altvögeln. Nach relativ kurzer Zeit flugfähig. Vorwiegend bei Bodenbrütern (z.B. Hühner- und Entenvögel, Kranichvögel). Ähnliches Verhalten wie Nestflüchter: Besitzen ein Dunenkleid und verlassen das Nest, bleiben aber in Nestnähe hocken und lassen sich dort von Altvogel füttern und hudern (z.B. Möwen).

Die frisch geschlüpften Eulen sind blind und hell bedunt. Das Brüten beginnt meist nach Ablage des ersten Eies, wodurch die Eulennestlinge eines Geleges zu unterschiedlichen Zeiten schlüpfen und deswegen unterschiedlich groß sind.
Die frisch geschlüpften Greifvögel sind sehend und besitzen ein weißes Dunenkleid. Sowohl bei den Eulen, als auch bei den Greifvögeln werden die Jungen von beiden Eltern versorgt. Das Weib brütet und der Terzel jagt und trägt der Familie die Beute zu. Ganz selten löst er das Weib dabei einmal ab. Das Weib atzt die Jungen. Erst wenn die Jungen ausgefallen sind geht das Weib nach einiger Zeit mit auf Jagd.
Je größer eine Art ist, desto länger dauert es meist, bis die Tiere geschlechtsreif werden. Kleinere Singvögel sind demnach meist im gleichen Jahr geschlechtsreif. Der Adler ist erst mit 5-6 Jahre fortpflanzungsfähig.
Oftmals tragen die noch nicht geschlechtsreifen Tiere noch ein besonders gefärbtes Gefiederkleid das sich vom Alterskleid unterscheidet (z.B. Habicht, Falken). So lässt der Inhaber eines Reviers den Jungvogel auf der Suche nach einem eigenen Revier unbeschadet passieren, da er diesen als noch nicht fortpflanzungsfähiges Individuum erkennt.
Durch ihr Flugvermögen können Vögel Ortswechsel über sehr weite Strecken machen. Sie tun dies auf der Suche nach Nahrungsquellen (jahrszeitlich bedingte Knappheit), oder um den Unbilden der Jahreszeit zu entkommen.
Zugvögel finden sich bevor sie losziehen im Herbst oft zu großen Schwärmen zusammen (z. B. Enten , Gänse, Kraniche). Verschiedene Arten machen bestimmte Formationsflüge auf dem Zuge. Zugvögel ziehen oft nachts und meiden das Überfliegen großer Wasserflächen. Sie orientieren sich nach dem Magnetfeld der Erde, nach der Sonne und nach den Sternen.

Auch unter den Greifvögeln gibt es Zugvögel. Vor allem Nahrungsspezialisten wie zum Beispiel der Wespenbussard, weichen der kalten Witterung aus und ziehen bis nach Afrika.
Bezogen auf einen bestimmten geographischen Raum und die Aufenthaltsdauer in diesem Raum unterscheiden wir:

Standvögel/Jahresvögel: Ganzjährig im selben Gebiet
Zugvögel: Verlassen im Herbst ihr Sommergebiet und kommen im Frühjahr des darauf folgenden Jahres wieder („Sommervogel“)
Strichvögel: Wechseln den Standort je nach Wetterlage und Nahrungsangebot
Teilzieher: Nur ein Teil der Population verlässt das Brutgebiet

Greifvögel

Die Greifvögel sind eine artenreiche und sehr vielgestaltige Vogelgruppe, die weltweit mit etwa 290 Arten vertreten ist, von denen ca. 20 Arten in Deutschland vorkommen. Sie sind tagaktive Fleischfresser die entweder lebende Beute schlagen, oder Aas fressen. Anpassungen an diese Ernährungsweisen sind die zu Fängen entwickelten Füße mit scharfen Krallen (Waffen, Klauen) an den Zehen sowie der Hakenschnabel zum Rupfen und Zerteilen größerer Beute bzw. zum Tot beißen.

Hier können wir zwei Gruppen unterscheiden:

Grifftöter besitzen einen Reißhaken-Schneideschnabel sowie starke lange Waffen. Sie töten die Beute mit ihren Fängen, wobei sie mit den langen Waffen lebenswichtige Organe durchstoßen. Der Schnabel dient lediglich dem Zerrupfen und Zerkleinern der Beute.
Bißtöter oder Griffhalter haben einen Reißhaken-Beißschnabel mit dem so genannten Falkenzahn im Oberschnabel. Ihre Waffen sind relativ kurz und die Beute wird durch Genickbiss getötet. Die Fänge (hier „Hände“) dienen lediglich dem Binden (Festhalten) der Beute (Bsp. Falken).

Im Flug kann man Greifvögel einmal nach den arttypischen Flugbildern ansprechen, aber auch nach der Art des Flugverhaltens beim Beuteerwerb.

Zu den Bißtöter zählen die Gruppen der Adler, Bussarde und Milane. Sie sind ausdauernde Segler, die bei ihrem Suchflug unter Ausnutzung der Thermik am Himmel kreisen. Sie schlagen ihre Beute meist am Boden aus dem Suchflug heraus oder von einer Ansitzwarte. Auch die Weihen mit ihrem „Gaukelflug“ werden zu dieser Gruppe gestellt.

Zu den Pirsch- und Startfluggreifern zählen die schnellen, wendigen Angriffsjäger Habicht und Sperber. Unter Ausnutzung von Deckungsmöglichkeiten wie Hecken oder Bäumen schlagen sie ihre Beute in der Luft oder am Boden. Zu der Gruppe der Späh- und Stoßfluggreifer werden die Falken und der Fischadler gezählt. Falken schlagen ihre Beute meist im Sturzflug in der Luft (Ausnahme: Turmfalke oder „Rüttelfalke“). Der Fischadler kreist über dem Gewässer und schlägt die Beute dann im Wasser.

Greifvögel leben meist in Einehe (Jahresehe oder lebenslang). Die Unterscheidung der Geschlechter ist oftmals möglich da in vielen Fällen das Weib etwas größer ist als der Terzel, oder auch unterschiedlich gefärbt ist.

Der Habicht (Accipiter gentilis)

erreicht eine Länge von 47- 62 cm wobei die Spannweite 90 cm bis 120 cm betragen kann. Er erreicht ein Gewicht zwischen 600-870 g (♂), bzw. 900-1300 g (♀) . Tendenziell sind Habichte im Osten Europas stärker. Die Oberseite ist schiefer-grau-braun. Die Unterseite ist weiß, quer gesperbert. (Aggressives Distanzkleid) Das Auge des Altvogels ist orange und wird mit zunehmendem Alter dunkel orange. Der lange Stoß weist mit 4-5 Querbinden. Der junge Habicht hat ein gelbes Auge (als junger Nestling hellblau). Die Unterseite ist hellbraun mit braunen tropfenförmigen Längsflecken weshalb er auch Rothabicht oder Tropfhabicht genannt wird.  Er ist ein Pirsch- und Startfluggreifer (Grifftöter) der als Überraschungsjäger sowohl in der Luft als auch auf dem Boden seine Beute schlägt.Im Flugbild erkennt man die kurzen, runden Schwingen und den langen Stoß. Er jagt in der offenen Feldflur, lieber noch in buschreichem Gelände bis hin zu lichtem Stangenwald. Auch Ortschaften („Hühnerhabicht“) sucht er auf. Sein Beutespektrum reicht von Vögeln (Fasanen,Tauben, Drosseln, Enten, Rabenvögeln, Spechten,Greifvögel und Eulen) bis hin zu Säugetiere wie Kaninchen und Hasen.

Der Habicht ist der jagdlich leistungsfähigste unserer heimischen Greifvögel und ein sehr scheu. Das Habichtspaar, das lebenslang zusammenhält und sehr reviertreu ist, bewohnt abwechslungsreiche Landschaften aus Wäldern und offenem Gelände. Es hält sich durchaus schon ab Dezember im 700-3000 ha großen Brutrevier aufhalten. Die Balzflüge des Paares kann man bei sonnigem Wetter ab Ende Januar beobachten. Dabei rufen die Vögel häufig und spreizen zudem auffällig die weißen Unterschwanzdecken. Der Horst bau wird im Februar begonnen.wobei die Paare  mehrere Horste besitzen, die im Kronenbereich von Nadel-, Laub- oder Mischwäldern errichtet werden.Der Horst wird immer über Ein- und Abflugmöglichkeiten erreicht, wie z.B. Forstwege, Waldschneisen, Bachläufe etc.

der Habicht wird meist im zweiten Jahr geschlechtsreif.  Ende März/Anfang April  legt das Weib im Abstand von 2-3 Tagen 3-4 Eier. Mit der Ablage des 1. Eis wählt das Weib den mit Nadelholzzweigen „begrünten“ Horst aus. Nach Ablage des 2. Eis beginnt das Weibchen 38 Tage zu brüten. Die etwa hühnereigroßen Eier sind weiß, anfangs sogar leicht grünlich. Das Weibchen bleibt während der Eiablage, der Bebrütung der Eier und dem Hudern der Nestlinge (ca. 10 Wochen) meist ständig am Horst. Da es  in dieser Zeit einen Großteil seines Gefieders vermausert, ist es flugbehindert und nur bedingt zur Jagd einsatzfähig.

Die Nestlingszeit dauert etwa 36-40 Tage. Danach verlassen die Rothabichte den Horst. Im anschließenden, etwa 3-wöchigen Bettelflug, werden die Jungvögel durch die Altvögel bis zu ihrer Selbständigkeit noch mit Beute versorgt. Im August löst sich der Familienverband auf, die Rothabichte verstreichen und suchen sich ein freies Revier, wobei ihnen das Gefieder (tropfenform) beim Durchfliegen fremder Reviere einen gewissen Schutz gewährt. Unsere heimischen Habichte sind Stand- und Strichvögel. In freier Natur können Habichte ca. 20 Jahre alt werden, in Gefangenschaft sogar bis zu 28 Jahren. Er kommt in ganz Europa vor.

Gewicht
Spannweite
Status Brutbeginn Gelege/
Brutdauer
Verbreitung Arttypisch Bestand
♀ 900-1300 g
♂ 600-880 g
 90-120 cm
Standvogel
Strichvogel
Ende März
Anfang April
3-4
38 Tage
Ganz Europa
Grifftöter
Pirsch-/ 
Startfluggreifer
DE  80000
EU 160000

 

Alle weiteren nur
mit Freischaltung
Der Sperber

Der Mäusebussard

Der Steinadler

Der Schelladler

Der Zwergadler

Die Rohrweihe

Der Gleitaar

Der Wanderfalke

Der Wüstenfalke

Der Präriefalke

Der Kurzfangsperber

Der Rauhfußbussard

Der Kaiseradler

Der Seeadler

Der Schlangenadler

Die Kornweihe

Der Gerfalke

Der Baumfalke

Der Rötelfalke

Der Rotfußfalke

Der Mönchsgeier

Der Rotschwanzbussard

Der Wespenbussard

Der Steppenadler

Der Fischadler

Der Rotmilan

Die Wiesenweihe

Der Saker

Der Turmfalke

Der Eleonorenfalke

Der Bartgeier

Der Schmutzgeier

Harris-Hawk

Der Adlerbussard

Der Schreiadler

Der Habichtsadler

Der Schwarzmilan

Die Steppenweihe

Der Lanner

Der Merlin

Der Luggerfalke

Der Gänsegeier

Gefährdung der Greifvögel

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